boxing-100733_1280

Deutschland nach der Wahl: Vom „Jagen“ und „In-die-Fresse-kriegen“

Große Koalition, großer Konsens. Die Jahre der Alternativlosigkeit scheinen mit der Bundestagswahl 2017 endgültig vorbei. Der Wähler hat gesprochen – laut und deutlich. Und das Spitzenpersonal der Parteien spricht plötzlich ebenso deutlich – und vor allem medienwirksam! Wohin driftet der politische Diskurs im Land?

Irritierende Äußerungen nun auch von der SPD

Nachdem Alexander Gauland noch am Wahlabend bekannt gab, die AfD wolle „Frau Merkel jagen“ und sich „Land und Volk zurückholen“, irritiert nun auch das Spitzenpersonal der SPD mit ungewohnter Rhetorik. Ihre Äußerung, von nun an bekäme der bisherige Regierungspartner CDU „in die Fresse“, will Andrea Nahles, neue Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, als Scherz verstanden wissen. Das sehen selbstverständlich nicht alle so.

Wunsch nach offenem Diskurs oder Lust auf Sensation?

Seit längerem erklären Beobachter, der politische Diskurs in Deutschland stecke in einer Krise. Auf der einen Seite versuchen die Menschen aus der erklärten Alternativlosigkeit, aus der Vereinnahmung durch die „Demobilisierungsstrategien“ der vergangenen Wahlkämpfe auszubrechen. Auf der anderen Seite zeugt es nicht gerade von Charakterstärke, mit stupiden Provokationen im Stile eines „Aggro-Rappers“ die Grenzen des Sagbaren immer weiter zu strapazieren.

Obendrein wird der mediale Diskurs noch immer von Empörung und Sensation dominiert: Wenn die Personalquerelen und die bewussten Provokationen der AfD in den Tagen nach der Bundestagswahl sämtliche Schlagzeilen füllen und wichtiger sind als die politischen Inhalte der bevorstehenden Koalitionsverhandlungen, dann zeigt das, dass Deutschland von einem offenen, inhaltlich geführten Diskurs noch deutlich entfernt ist.

Engagiert Diskutieren: Mit Mut, aber ohne dumpfe Provokation!

Für den offenen demokratischen Diskurs genügt es sicher nicht, als Staatsbürger, Politiker oder Journalist immer nur brav – ohne Mut zum Risiko – zu sein. Das mit atemberaubenden Tempo immer schneller schwindende Vertrauen in Politik und Medien zeigt aber eines: Auf Dauer kann nur derjenige gewinnen, der sich der Wirklichkeit stellt. Das hat die Wahl eindrücklich gezeigt. Ständige Schönfärberei ist für den freien, demokratischen Diskurs ebenso schädlich wie die dumpfe Provokation und das „Sich-Einrichten“ in der rechten (oder linken) Filterblase.

tombstone-1735439_1920

„Anne Frank-Tag“ in Frankfurt: Engagement für eine bessere Welt

„Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern!“

Anne Frank, 26. März 1944

 

Am 12. Juni 1929 wurde Anne Frank in Frankfurt am Main geboren. Gestern wäre sie also 88 Jahre alt geworden. Mit einem erstmalig stattfindenden „Anne Frank-Tag“ erinnerte die Stadt Frankfurt gestern an die jüdische Autorin und stellte dabei die mutige Botschaft ihres weltberühmten Tagebuchs ins Zentrum des Gedenkens. Veranstaltungen und Kunstaktionen in der Innenstadt sollten zum Nachdenken über „Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ anregen.

In Frankfurt aufgewachsen, wanderte Anne Frank 1934 mit ihrer Familie in die Niederlande aus, um den Nazis nach deren Machtergreifung zu entkommen. Ab 1942 versteckte sich die Familie Frank in dem mittlerweile berühmten Hinterhaus in Amsterdam, wo sie 1944 entdeckt und verhaftet wurde. 1945, kurz vor Kriegsende, wurde Anne Frank im KZ Bergen-Belsen von den Nazis ermordet.

Während ihrer Zeit im Hinterhaus schrieb Anne Frank über den Judenhass im Nationalsozialismus und den Krieg, über Ungerechtigkeit in der Gesellschaft und immer wieder über die Hoffnung, die Welt möge ein besserer Ort werden.

Dieser Wunsch, der sich auch in dem obigen Zitat äußert, muss heute als Mahnung und Aufforderung verstanden werden: Jeder und jede von uns kann und muss sich engagieren: Gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus. Für Menschlichkeit, für den Dialog, für ein friedliches Zusammenleben.

Der Anne Frank-Tag erinnert uns daran: „Nie wieder!“ – das ist und bleibt unsere Verantwortung.

IMG_7490

Weihnachten 2016. Fürchtet Euch nicht. Peace Please.

Auf Inspiration von Erzbischof Koch formuliert der Generalsekretär der CDU Deutschland, Dr. Peter Tauber, einen Tag nach dem schrecklichen Terroranschlage von Berlin, folgende Zeilen:

„Es war Nacht in Berlin. Und auf einmal war da gestern auf dem Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche statt ausgelassener Freude, lautem Lachen, fröhlicher Musik, dem Duft von gebrannten Mandeln und Glühwein nur noch Tod, Angst, Verzweiflung und unendliche Trauer. Die Menschen aber haben miteinander geweint, zueinander gehalten und sich Trost gespendet.

Es ist Nacht in Aleppo und an so vielen anderen Orten. Und noch immer ist dort Sterben, Angst, Hass und Verzweiflung. Wir sehen die Bilder, sind fassungslos und können doch nichts tun. Die Welt schaut zu. Kinder, Frauen und Männer haben dort nichts außer der Hoffnung, dass die Nacht vorübergeht, aber sie ist noch nicht vergangen.

Es war Nacht in Bethlehem. Und da war dieses Kind in der Krippe, dessen Familie sich nach der Geburt aufmachte, um nach Ägypten zu fliehen. Und doch kamen aus aller Herren Länder Könige, die Hirten und die Engel, um es zu preisen und anzubeten. Und sie folgten dabei einem Stern. Der Morgenstern, der sie daran erinnerte, dass in der Mitte der Nacht ein neuer Tag beginnt.

Es ist Nacht in Berlin. Und noch immer ist dort Traurigkeit und Verzweiflung, die nicht zu Hass und Wut führen darf, die manche jetzt wieder schamlos predigen. Wir sollten uns in unserer Traurigkeit festhalten und nicht mehr loslassen, so wie uns Jesus Christus nicht loslässt und nie loslassen wird.

Es ist Nacht in Berlin. Und da ist ein Stern. Und in der Mitte der Nacht beginnt ein neuer Tag.“

Klar ist: Wir machen weiter. Wir fürchten uns nicht. Basis müssen die Werte der Menschlichkeit – ob in Berlin, in Aleppo oder anderswo.

Vor dem Ausbruch des zweiten Irak-Krieges brachte der Frankfurter Künstler Mike Kuhlmann über eine breit angelegte Kampagne den gleichen Anspruch zum Ausdruck.

Mike formulierte es auf seine Art: „Peace Please“ und wird bis heute nicht müde, diese Forderung zu wiederholen.

Frohe Weihnachten! Peace Please!

Graffiti Frankfurt

Bürgerschaftliches Engagement für Frankfurt – und weiter geht’s

Als „unerträglich“ empfand der Frankfurter mit US-Amerikanischem Hintergrund Kerry Reddington, dass er an der Ignatz-Bubis Brücke in Frankfurt den Graffiti-Slogan „Jeder der Deutsche hasst, ist ein Held“ über Monate hinweg sehen musste. Er mobilisierte ein paar seiner Kollegen von der KAV (Kommunale Ausländer-Vertretung und sie entfernten gemeinsam das Graffiti. Weiterlesen

Angriff auf Tuğçe, Offenbach

Tugce Albayrak – ein Symbol für Zivilcourage

Vor einem Jahr, im Juni 2015, wurde der Angreifer auf Tuğçe Albayrak wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Ein halbes Jahr zuvor hatte er die türkischstämmige Lehramtsstudentin auf dem Parkplatz vor einem Schnellrestaurant in Offenbach am Main niedergeschlagen. Durch den darauf folgenden Sturz erlitt sie schwere Schädel- und Hirnverletzungen. Sie starb ein paar Tage darauf, an ihrem 23. Geburtstag.

Weiterlesen