Schändung jüdischer Gedenkstätten in Frankfurt

Schändung jüdischer Gedenkstätte mitten in Frankfurt

„Wehe! wehe! (…) Willst am Ende gar nicht lassen?“;

Johann Wolfgang von Goethe

78 Jahre nach der Reichspogromnacht: Mitten in Deutschland werden jüdische Gedenkstätten geschändet. Wir müssen sehr aufmerksam sein.

An der Stelle, an der bis zum Terror der Nationalsozialisten die Synagoge der jüdischen Gemeinde Frankfurt Rödelheim stand, befindet sich heute eine Gedenkstätte. In der Nacht vom 4. auf 5. November wurde diese geschändet. Bis auf 4 Tage Differenz also genau 78 Jahre nach dem Schrecken der Reichspogromnacht in Deutschland …

Wir müssen sehr aufmerksam sein. Und wachsam in Bezug auf das, was hier gerade um uns herum passiert, denn die Schändung jüdischer Gedenkstätten ist wieder zu einem akuten Thema geworden.

Wahlsiege der Rechtspopulisten, Erstarken nationalistischer Strömungen und Ereignisse wie das hier Beschriebene.

78 Jahre ist noch nicht lange her. Wir alle kennen Menschen und haben Menschen erlebt, die den Schrecken und die Katastrophe des „3. Reichs“ erlebt haben. Auch die Schreckensherrschaft der Nazis hat – wohl bemerkt auf demokratisch legitimierten Boden – verhältnismäßig harmlos begonnen. Dann kamen einzelne „Nadelstiche“, dann ging es immer ein bisschen weiter. Dann, als die Katastrophe da war, war es zu spät… Oder, wie es Goethe bereits vor 218 Jahren schrieb:

 

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

„In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu seinem Zwecke,
erst hervor der alte Meister.“

 

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