Sommermärchen von vor 10 Jahren ist zu Ende

Heute stecken wir offensichtlich mitten im Gruselmärchen.

10 Jahre nach dem internationalen Fest der Fußball-Weltmeisterschaft zeigt sich in Deutschland die Fratze des radikalen, intoleranten und fremdenfeindlichen Deutschen. Damals, beim „Sommermärchen“ schaute die Welt begeistert auf Deutschland, auf seine Weltoffenheit und Toleranz. Viele, die (noch) ein anderes Bild von Deutschland hatten, rieben sich die Augen und fühlten sich dann aber über die positive Stimmung, von den Deutschen ausging, mitgenommen. Es schien, als sei das Bild des radikalen und intoleranten Deutschen endgültig überwunden.

Fanmeile BerlinDann die Entwicklungen der letzten 12 Monate: Deutschland zeigt sich hilfsbereit, was die Aufnahme von Flüchtlingen betrifft. Sicherlich wurden einige Fehler bei der spontanen Aufnahme und Hilfe der schutzsuchenden Menschen gemacht. Aber: Unter dem Strich hat sich Deutschland richtig verhalten! Dies insbesondere, wenn man die Werte der Europäischen Union, zu denen im wesentlichen Teil auch die Werte der christlichen Religion, der Aufklärung und des Humanismus zählen, zugrunde legt.

Nun feiert Deutschland am 3. Oktober den 26. Jahrestag der Deutschen Einheit.
Man muss sagen, „versucht zu feiern“

In Dresden wurden zum Tag der Deutschen Einheit Gottesdienstbesucher beleidigt, beschimpft und aufs Schärfste angegangen. Einige von ihnen wurden aufgrund ihrer Hautfarbe beleidigt und diskriminiert. Hunderte Rechtsradikale marschierten auf und störten die Feierlichkeiten mit dem Herausschreien ihrer dumpfen Parolen.
Gleichzeitig sitzen Vertreter einer offensichtlich rechtsradikalen Partei mittlerweile in zahlreichen Landtagen und findet dort parlamentarische Bühnen für ihre ebenfalls oft dumpfen und unreflektierten Parolen. Sie reden öffentlich davon, dass Begriffe wie „völkisch“ wieder in den allgemeinen Sprachgebrauch aufzunehmen sind, sie diskriminieren dunkelhäutige Deutsche, sie fordern, dass im Zweifel auf hilfesuchende Menschen mit Waffengewalt zu reagieren ist und und und…

Wo bleibt die öffentlich Entrüstung darüber, dass das kleine Pflänzchen des so positiven Images Deutschlands in der Welt, dessen Blüten mit der Fußball-WM 2006 ihre volle Pracht entfaltete, massiv beschädigt wird?
Fehler bei Aufnahme von Flüchtlingen hin oder her. Aber: Brennende Flüchtlingsunterkünfte, Rechtsradikale in den Parlamenten, skandalöse Zustände bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit – das darf es in dieser Form nicht geben!

Als Bürgerinnen und Bürger müssen wir uns entrüsten – und zwar bei jeder Gelegenheit: In Gesprächen mit Freunden, mit Arbeitskollegen, in Form von öffentlichen Meinungsäußerungen – überall!

Mehr als 2000 Menschen halten am Donnerstagabend (19.10.2000) Kerzen in den Händen und demonstrieren mit dieser Lichterkette auf dem Saarlouiser Marktplatz gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass und Rechtsextremismus. (Zu lrs 211, digitale Fotografie) dpa/lrs Nach schweren ausländerfeindlichen Übergriffen, etwa in Rostock, gingen im Dezember 1992 überall in Deutschland Bürger auf die Straßen und bildeten als Zeichen gegen Rechtsextremismus Lichterketten - eine Protestform, die sich schnell etablierte. Hier demonstrieren im Oktober 2000 mehr als 2000 Menschen mit Kerzen in den Händen auf dem Saarlouiser Marktplatz gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass und Rechtsextremismus.

Es wäre eine Schande, wenn wir uns als Deutsche dann erst wieder in Form von Lichterketten-Aktionen wie 1992 nach dem Brandanschlag von Mölln dazu bequemen, uns zu engagieren und der Weltöffentlichkeit versuchen zu erklären, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen Fremdenhass ablehnt und aufs Schärfste verurteilt.

Jetzt und heute und bei jeder Gelegenheit über Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit entrüsten! Lichterketten-Aktionen wie 1992 darf nicht die Ultima Ratio sein.
Es wäre fatal, zu warten, bis wieder Menschen in Deutschland Opfer von Brandanschlägen werden. Oder dass sie anderweitig gezielt diskriminiert und ausgegrenzt werden, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben, Flüchtlinge, bzw. Ausländer sind.

 

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