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Roman Herzog – „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“

Immer dann, wenn der Tod eines Politikers parteiübergreifend betrauert wird, kann man sich sicher sein: Die Bundesrepublik hat einen besonderen Menschen und außergewöhnlichen Politiker verloren. Der frühere Bundespräsident Roman Herzog ist am Dienstag im Alter von 82 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Er war von 1994 bis 1999 Staatsoberhaupt und damit der siebte Präsident der Bundesrepublik Deutschland.

Eine markante Persönlichkeit, ein humorvoller Mensch, ein Mann der klaren Worte – so oder ähnlich wurde Herzog in den letzten Tagen von vielen gewürdigt. Die treffendsten Worte hat vielleicht der aktuelle Bundespräsident Joachim Gauck gefunden: Herzog sei ein Mann gewesen, der „das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet“ habe. Und in der Tat: Mit Roman Herzog hat Deutschland einen großen Kämpfer für das Miteinander verloren.

Denn sein großes Engagement und sein steter Einsatz für das gesellschaftliche Miteinander zeichnete Roman Herzog sein Leben lang aus. Das zeigte sich u.a. sehr deutlich bei seinen Besuchen im Warschauer Ghetto und in Auschwitz, wo er äußerst sensibel die lange unterbelichtete Schuld Deutschlands gegenüber Polen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückte: „Kein Land hatte im Zweiten Weltkrieg vergleichbar hohe Opfer zu beklagen wie Polen“. Das war damals ein immens wichtiger Schritt zur Aussöhnung mit Polen, ein bedeutender Grundstein für das nach wie vor unverzichtbare Miteinander in Europa.

Bis heute unvergessen ist natürlich auch die berühmte „Ruck-Rede“ (hier im Wortlaut) vom 26. April 1997. Die entscheidende Passage lautet: „Durch Deutschland muß ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen, vor allen Dingen von den geistigen, von den Schubläden und Kästchen, in die wir gleich alles legen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen.“ Bürger und Politiker, Unternehmen und Gewerkschaften – nur gemeinsam könne man die notwendigen Veränderungen angehen und den Reformstau beenden. Wieder zeigt sich Herzog als großer Kämpfer für das gesellschaftliche Miteinander, als Verfechter der gemeinsamen Suche nach einer Lösung.

Auch heute sollten wir die Worte Roman Herzogs beherzigen. Denn wir brauchen einen neuen „Ruck durch Deutschland“, der uns alle wachrüttelt und endlich gemeinsam nach Lösungen suchen lässt. Statt uns immer nur zu beschweren, wie schlimm alles sei, sind wir alle gefordert, die notwendigen Veränderungen mitzugestalten. Oder um es mit Roman Herzog zu sagen: „Alle sind angesprochen, alle müssen mitmachen“!

Attentat von Berlin

Nach dem Attentat von Berlin

Rechtsstaatliche und moralische Prinzipien einhalten, Ruhe bewahren!

Das ist das Engagement, das nach dem schrecklichen Attentat von Berlin nötig ist.

Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer instrumentalisiert das Attentat von Berlin, um gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung Stimmung zu machen. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem zwar über 500 Hinweise auf einen oder die Täter vorliegen, zu dem aber noch komplett nicht klar ist, wer der oder die Täte sind.
Pietätlos und alles andere als zielführend, was hier stattfindet! Ein Hieb gegen alle, die versuchen, sich auf Grundlage unserer rechtsstattlichen Prinzipien, mit Anstand und Würde mit den schrecklichen Geschehnissen von Berlin auseinanderzusetzen. Und: Leider ist das Niveau eines solchen Vorgehens nicht weit von der Twitter-Parole des Rechtspopulisten Pretzell direkt nach den Anschlägen – „Es sind Merkels Tote“ – entfernt.

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Fanmeile Berlin

Sommermärchen von vor 10 Jahren ist zu Ende

Heute stecken wir offensichtlich mitten im Gruselmärchen.

10 Jahre nach dem internationalen Fest der Fußball-Weltmeisterschaft zeigt sich in Deutschland die Fratze des radikalen, intoleranten und fremdenfeindlichen Deutschen. Damals, beim „Sommermärchen“ schaute die Welt begeistert auf Deutschland, auf seine Weltoffenheit und Toleranz. Viele, die (noch) ein anderes Bild von Deutschland hatten, rieben sich die Augen und fühlten sich dann aber über die positive Stimmung, von den Deutschen ausging, mitgenommen. Es schien, als sei das Bild des radikalen und intoleranten Deutschen endgültig überwunden. Weiterlesen

Familie mit Migrationshintergrund

Aufschreien. Jetzt!

Seit einigen Monaten nistest sich eine Partei in den politischen Alltag ein und spricht Dinge aus, die das demokratisch-freiheitliche Selbstverständnis der Bundesrepublik eigentlich erschüttern lassen müssen.

 

Da ist z.B. die Rede davon, dass der Begriff „völkisch“ wieder positiv besetzt werden solle. Es müsste also der Duden umgeschrieben werden.

Hier steht zum Begriff völkisch:
1. (nationalsozialistisch) (in der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus) ein Volk als vermeintliche Rasse betreffend; zum Volk als vermeintliche Rasse gehörend
2. (veraltet) national

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